Bildlexikon von Uwe Lüthje
und Dr. Horst Otto Müller
Die kardinale Aufgabe bei Aufnahmen im Fototelier umreißt ein einziger Satz: "Ein wichtiger Punkt ist während der Zeit der Exposition seine VÖLLIGE UNBEWEGLICHKEIT." (Vogel, Hermann W.: Lehrbuch der Photographie, 1878, S. 266). Bewußt ruhiggestellte Hände waren dabei ein ganz wesentlicher Faktor. Allerdings sind lange Belichtungszeiten im Fotoatelier nicht der einzige Grund für diese Geste: das Einstecken einer Hand z. B. in die etwas geöffnete Weste bot die Gelegenheit, eine selbstbewußt wirkende und gleichzeitig ruhige Position einzunehmen. So spricht im Jahr 1785 Johann Jakob Engel, Autor eines zweiteiligen Fachbuches über Körperhaltungen einer so darstehenden Person „Würde, Macht, höhere Geisteskraft, höheres Verdienst jeder Art“ (S. 251) zu. Der aufstehende Mensch reckt das Haupt, wirkt würdig, ohne dabei den Eindruck an Entschlußkraft zu vernachlässigen. Es ist verständlich, daß diese Pose im Fotoatelier, auch wenn sie durch die Haltung Napoleons, eine Hand durch die etwas geöffnete Weste bzw. den Mantel zu stecken, bekannt und benannt wurde, immer dann als Option in Frage kam, wenn eine Person erkennbar aufgeregt erschien oder nicht wußte, wohin mit den Händen. Es finden sich Carte de Visite-Beispiele aus allen Altersgruppen. |
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Auf Carte de Visite in Napoleonhaltung abgebildete Damen sind sehr selten, weil der damals vorherrschende Kleidungsstil meist keine entsprechenden Möglichkeiten dazu bot. |
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