Fotograf(inn)en in Schleswig-Holstein, Lübeck und
dem Herzogtum Lauenburg aus der Zeit von 1850 bis 1880

Bildlexikon von U. Lüthje / Dr. H. O. Müller



Name, Vorname:
 
Wilhelm Anton Georg Dreesen

* wann und wo:   31.03.1840 in Rendsburg
† wann und wo:   18.12.1926 in Ekensund
Familie:   -
Ursprünglicher
Beruf:
  Militärschwimmlehrer, Musiker
Ausbildungsorte:   Flensburg
Atelier-
standort(e):
  Apenrade, Flensburg,
Kappeln, Kiel
Zeitraum/
Straße:
  Flensburg 1865-1884
- Norden 185
- Norderstraße 25 (148)
- Große Straße 21(von 1885-1905)
Kiel
- Holstenstraße 22
Kappeln
- Rathausmarkt
Apenrade

Inserate in
regionalen
Zeitungen:
 
Dreesen - Werbung im Adreßbuch der Stadt Kiel 1875, S. 330

Aus: Adreßbuch der Stadt Kiel incl. Brunswiek, Düsternbrook sowie der Ortschaft Gaarden und Ellerbeck nebst einem Verzeichniß sämmtlicher Hausbesitzer und Straßen, einer Uebersicht der
Behörden, Gewerbe, öffentlichen Einrichtungen und Institute etc., sowie einem empfehlenden Anzeiger für das Jahr 1875.
Hrsg. von C. J. Muhl. Kiel: Druck von Schmidt & Klaunig. 1875, S. 330.

Bemerkungen:  
1868 konnte er auf der Fach-Ausstellung in Hamburg lediglich eine "ehrenvolle Anerkennung" einheimsen, aber 1887 wurde er auf der Internationalen Photographischen Ausstellung in Florenz mit der Goldmedaille ausgezeichnet.

Besondere Bedeutung besitzen seine rund 20 Mappenwerke mit Stadtansichten und Landschaften, die er zwischen 1891 und 1905 herausgab. Die Motive stammten vor allem aus Norddeutschland, aber auch aus anderen Regionen.

    Buchtitel: Dreesen - Aus Schleswig-Holstein
 
    Aus Schleswig-Holstein von Wilh[elm] Dreesen. Kunst-Anstalt J.B. Obernetter, München, ohne Jahr.
 
 
    Dreesen - Buchtitel "Wanderungen"
 
    Wanderungen durch Heide und Moor zwischen Elbe, Jeetze, Aller und Weser. 75 Tafeln mit 150 Bildern in Lichtdruck auf Kupferdruckpapier. Einführender Text von H. Benrath. Hergestellt von Meisenbach Riffarth & Co. in Schöneberg-Berlin. Otto Meissners Verlag, Hamburg, 1904. Folio. Zwölf Lieferungen in Umschlägen. Letztes Mappenwerk des deutsch-dänischen Fotografen der Künstlerkolonie Ekensund.
    Literatur: Frank Heidtmann:
Wie das Photo ins Buch kam: Der Weg zum photographisch illustrierten Buch [...]: eine Handreichung für Bibliothekare und Antiquare, Buch- und Photohistoriker, Bibliophile und Photographikasammler, Publizisten und Museumsleute. Berlin, Verlag A. Spitz: 1984, 817 Seiten.
 
 
Biogra-
phisches
Teil 1:
  Dreesen wuchs nach dem frühen Tod seiner Eltern im Militär-Waisenhaus in Eckernförde auf. Er erhielt eine Ausbildung als Militärschwimmlehrer, war jedoch auch als Trompeter in einer Regimentskapelle und als Kammermusiker im zivilen Umfeld tätig. Während des Deutsch-Dänischen Krieges kämpfte er 1864 als mit 1.000 dänischen Kronen bezahlter „Stellvertreter“ eines Kriegsdienstpflichtigen auf der Seite Dänemarks an den Düppeler Schanzen gegen die Preußen.

Nach dem Ausscheiden aus dem Militärdienst im Jahr 1865 und mit dem erworbenen Sold verwirklicht er sich einen Traum. Er lässt sich in Flensburg, in einer extrem kurzen Lehrzeit von nur vierzehn Tagen zum Photographen ausbilden. Dreesen gründete in Flensburg, auf dem Anwesen seiner Stiefmutter in der Norderstraße, eine „photographische Anstalt“.
 
    Dreesen, fotographisches Selbstportrait
   
Wilhelm Dreesen:
Selbstporträt, 1869
 
Dreesen - Frauenportrait Dreesen - Frauenportrait - Revers
 
Dreesen - Frau mit langer Kette   Dreesen - Frau mit langer Kette - Revers
 
Dreesen - Brustbild eines Jungen   Dreesen - Brustbild eines Jungen - Revers
 
Dreesen - Junger Mann in Uniform   Dreesen - Junger Mann in Uniform - Revers
 
Dreesen - Brustbild eines jungen Mannes   Dreesen - Brustbild eines jungen Mannes - Revers
 
Dreesen - Kabinettfotografie - Frauenbrustbild

Kabinettfotografie - Frauenbrustbild

 
    Zunächst betätigte sich Dreesen vorwiegend auf dem einträglichen Gebiet der Portraitphotographie.

Aufgrund seines handwerklichen Geschicks und des sich damit einstellenden wirtschaftlichen Erfolgs konnte er schon bald Filialen in Kiel und in Kappeln realisieren. 1887 eröffnete Dreesen eine weitere Niederlassung in Apenrade.
 
Dreesen - Heliogravuere - Hafen von Apenrade

Heliogravüre "Apenrader Hafen" aus der Mappe "Aus Schleswig-Holstein". Etwa ab 1875 konnte er die Vorteile der neu entwickelten Trockenplatte nutzen und wandte sich der Landschaftsphotographie zu.
 
 
Biogra-
phisches
Teil 2:
  Das neue Geschäftshaus in der Großen Straße 21 ließ Wilhelm Dreesen am Giebel mit Terrakotta-Nachbildungen seiner verliehenen Medaillen schmücken. Weitere Anerkennung und Preise erhielt er anlässlich seiner Beteiligungen an den Weltausstellungen in Brüssel 1891, Chicago 1893 und Paris 1900. Das Haus Schleswig-Holstein-Glücksburg verlieh ihm 1887 den Titel eines 'Hofphotographen'.

Nach dem Tod seines Bruders Georg, der Zeichenunterricht am Flensburger Gymnasium erteilte, beginnt er mit dessen Utensilien zu malen. Er lernt die Ekensunder Künstler kennen, Dreesen zählt zu den Mitbegründern des Ekensunder Künstlerkreises, deren Mitglieder er 1892 photographierte. Seine Photos wurden von den Künstlern oft für spätere Atelierbilder genutzt. Seit 1893 war er Mitglied der Schleswig-Holsteinischen Kunstgenossenschaft und er beteiligte sich an deren Ausstellungen mit Ölbildern.

Dreesen gilt heute zu Recht als Pionier der künstlerischen Photographie, insbesondere der  Landschaftsphotographie; hier
vier exemplarische Beispiele für seinen Aufnahme-Stil.
 
Dreesen - Hafen von Laboe

Am Hafen von Laboe, ca. 1893.
Alte Photographische Sammlung (APhoS) der
Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte.
Dreesen - Blick auf Ratzeburg

Blick von St. Georg auf dem Berge auf Ratzeburg, 1895.
Die Aufnahme erfaßt im Bildhintergrund den nach dem großen Dombrand 1893 gerade wieder fertiggestellten Kirchenbau mit dem neu errichteten Dachreiter über dem Schnittpunkt: Hauptschiff/Querschiffe (Vierung), der markant hervortritt. Vorn
rechts der Küchensee, hinter der Landzuge der Große Ratzeburger See. Blickrichtung: nach Nordosten.
Dreesen - Gravenstein, Kurhaus

Gråsten (Gravenstein), Kurhaus.

Dreesen, Gravenstein, Kurhaus, Reversdetail
Dreesen - CAB - Förderszenerie
Kabinettformat-Karte (CAB):
"Fördebucht mit Badehütten", signiert rechts unten.
Im Unterschied zur gängigen Praxis, Kabinett-
karten rückseitig blanko zu lassen, nutzte Dreesen
die im Vergleich zur Carte de Visite opulente
Kartonfläche zur Eigenwerbung.
Dreesen - CAB - Förderszenerie -  Revers
Biogra-
phisches
Teil 3:
  1905, nach 40jähriger erfolgreicher Existenz, hat der zu Wohlstand gelangte Wilhelm Dreesen sein Photo-Atelier in Flensburg aufgegeben. Er verbringt die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts vor allem auf Seereisen, auf denen er nicht nur deutsche Küsten, sondern auch Skandinavien. Mehrere Reedereien boten ihm freie Fahrten auf ihren Schiffen an, weil sie wußten, daß auf diese Weise werbemäßig exzellent nutzbare Motive entstehen würden, die sich zum Beispiel zur Postkartenproduktion eignen.

Der Ekensunder Maler Otto H. Engel (1866-1949) berichtet im August 1910: „Gestern Abend kam Wilhelm Dreesen mit seiner Tochter zu mir und brachte einen Korb voll Porterflaschen mit. Das gab eine gemütliche Unterhaltung, da Dreesen von seinen vielen Reisen sehr amüsant erzählen kann, sie waren zum Teil richtige Entdeckungsreisen, und er hat auch für seine Zeit die ersten interessanten Momentaufnahmen und Bildberichte gemacht und verstand es meisterhaft, zufällig wirkende Staffagen in die Landschaften zu bringen.“
 
    Permalinks für weitere Landschaftsmotive Wilhelm Dreesens:

https://sammlungonline.mkg-hamburg.de/en/search?s=dreesen&h=undefined&sort=scoreDesc

https://commons.wikimedia.org/wiki/
Category:Photographs_by_Wilhelm_Dreesen
     
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