Fotograf(inn)en in Schleswig-Holstein, Lübeck und
dem Herzogtum Lauenburg aus der Zeit von 1850 bis 1880

Bildlexikon von U. Lüthje / Dr. H. O. Müller


Werkstattbericht/Zum Konzept


Uwe Lüthje
Zur Entstehung (m)einer Sammlung



Text ist in Planung





Horst Otto Müller

Webseite oder Buchpublikation?
Gründe für einen Internetauftritt


 
Natürlich läßt sich auch in einem gedruckten Sachbuch stöbern, aber nur in begrenztem Umfang: letztlich liest sich ein physikalisches Druckerzeugnis sinnvollerweise nacheinander, von A nach B. Nicht Interessierendes kann der Leser überblättern, vielleicht gibt es auch ein Sachregister, das gezielt(er) auf bestimmte Fragestellungen oder Zusammenhänge verweist. Allerdings finden sich in einem Register nur diejenigen Suchpfade, die der Autor für wichtig hielt.

Eine HTML-Publikation geht einen fundamental anderen Weg. Abgesehen vom "Buch"-Titel existieren kaum Gemeinsamkeiten, so gibt es keine Seitenzahlen, die einen linear vorgezeichneten Weg weisen, sondern viele Verknüpfungen, ein über sogenannte "Links" verbundenes komplexes Netz aus Text-, Bild- und Dateneinheiten, in dem sich die Nutzer, ganz nach jeweiligem Spezialinteresse, frei hin- und herbewegen können.

Auf diese Besonderheit verweisen die ersten beiden Buchstaben "HyperText", eine gelungene Wortverschmelzung aus dem griechischen Begriff für "oberhalb, über [etwas] hinaus weisend" und dem lateinischen Terminus "texere", das für "flechten, verknüpfen, weben" steht. Die HTML-Publikation existiert gleichsam doppelt: als eine für die Leserin / den Leser sichbare Version, die durch einen Browser auf dem Display angezeigt wird, und in einer Tiefenschicht mit einem zugrundeliegenden Code, der außer Gestaltungsanweisungen auch Querweise zu ganz anderen Textpassagen und Bildern enthalten kann sowie ebenfalls nicht sichtbare Meta-Informationen, die ein späteres Auffinden im Internet erleichtern, daher der Abkürzungsteil "Markup Language".

Vor die Frage gestellt, den Inhalt einer langjährig gewachsenen Sammlung entweder in traditioneller Form zu publizieren oder im Internet, muß Einiges gründlich bedacht werden.

Das erste ist die Finanzierbarkeit: die zu erwartende Leserschaft ist - bedingt durch die bewußt enge Fokussierung auf ca. 30 Jahre regionale Fotogeschichte - überschaubar, was Fachverlage mit Sicherheit davon abhalten würde, ohne (erheblichen) Druckkostenzuschuß seitens der Autoren tätig zu werden. Eine kostengünstige Publikation ist zwar denkbar (kleine Bilder, Kurztexte), aber gerade eine Miniaturisierung der Abbildungen wird dem Bemühen vieler damaliger Fotografinnen und Fotografen nicht gerecht: alle zu kleinen Wiedergaben gerinnen zu "Bildchen" mit Minimalaussage. Was hinzukommt: ohne komplementäres Begleitmaterial lassen sich Fotographen kaum adäquat in der Fotokultur verorten.

Der "demokratische Faktor" spielt eine nicht unwesentliche Rolle: eine Fachpublikation mit dem vorliegenden Umfang wäre preislich in einem Bereich angesiedelt, der sie nur für bestimmte Käuferschichten erschwinglich erscheinen läßt; die Seiten im Internet lassen sich dagegen ohne finanziellen Zusatzkosten weltweit von Interessierten unbegrenzt nutzen.

Gravierend erscheint darüber hinaus die Tatsache, daß eine Buchveröffentlichung einen Forschungsstand festschreibt: die Möglichkeit,
einen Supplementband zu finanzieren bzw. in einer späteren Zweitauflage Fehler auszumärzen, neue Erkenntnisse einzuflechten und um einschlägige Zusammenhänge zu erweitern, ist angesichts der unvermeidbaren Kosten unrealistisch.

Hier beginnen die Vorteile einer HTML-Präsentation: sie ist ständig erweiter- und umstrukturierbar (work in progress), bietet die Möglichkeit, reichlich Bildmaterial in hoher Bildqualität auszubreiten. Die Option, historische Hilfsdokumente (Fachtexte, Anzeigen in Zeitungen usw.) und reichlich Querverweise
hinzuzufügen, führt zu einem gleichermaßen fundierten wie tiefenscharfen Rundgang durch einen bislang nicht erschlossenen Bereich regionaler Fotogeschichte, angereichert durch ein ganzes Spektrum an Zitaten aus zeitgenössischen Fachzeitschriften (allgemeine stilgeschichtliche Erläuterungen, Kuriosa) sowie Hinweise auf weiterführende Literatur.

Der Nutzer kann frei entscheiden, in welcher Form er sich die aufbereiteten (Bild-)Informationen ansehen möchte: neben dem alphabetischen Namensverzeichnis mit entsprechenden Verlinkungen gibt es ebenso einen nach Orten aufgeschlüsselten Zugriff wie auch eine Aufteilung nach Fotografinnen und Fotografen sowie eine umfangreiche Motivgalerie, die sowohl zum Stöbern einlädt als auch in der Zusammenschau ästhetische Konstanten der damaligen Zeit offenlegt (Mode/Habitus).

Falls das erwünscht ist oder später sinnvoll erscheint, kann der Bestand nahtlos in bereits bestehende Netzwerke zum Thema einfließen und so wertvolle neue Facetten zur Fotografiegeschichte generieren.

War eine Lichtbilderin/ein Lichtbildner in verschiedenen Städten tätig, kann - anders als im gedruckten Buch - der erhalten gebliebene Ertrag dieser Arbeit an allen Orten erscheinen
(zum Beispiel: der Fotograf Wilhelm Anton Georg
Dreesen unterhielt Filialen in: Flensburg, Kappeln, Kiel und Apenrade. In einer Html-Publikation ist es leicht, ihn unter allen vier Orten aufzuführen, in einer Buchpublikation hätte man sich aus Kostengründen für EINEN Ort entscheiden müssen).

Unterschiedliche farbliche Kennzeichnungen erlauben eine visuelle Darstellung des aktuellen  Forschungsstandes (zu einigen weniger prominenten Fotografen fand sich bislang kein illustrierendes Material). In dieser umfangreichen Form kann das vorliegende Kompendium als sehr benutzerfreundliche Bereicherung eines zentralen Zeitabschnittes regionaler Fotohistoriographie gelten. Zahlreiche Besuche in Fotoarchiven und Museen haben offengelegt, daß hier zu einem nicht geringen Teil unikales Material erstmalig und in wünschenswerter optischer Opulenz offeriert werden kann.