Fotograf(inn)en in Schleswig-Holstein, Lübeck und
dem Herzogtum Lauenburg aus der Zeit von 1850 bis 1880

Bildlexikon von U. Lüthje / Dr. H. O. Müller



Daguerreotypie

Das Jahr 1839 war für die Entwicklung der Fotografie bedeutsam. Gleich zu Jahresbeginn, am 7. Januar, informierte der Deputierte François Arago, Physiker und Astronom, die französische Nationalversammlung über eine neue Technik der Bilderzeugung, welche Louis Jacques Mandé Daguerre gemeinsam mit dem bereits 1833 verstorbenen Joseph Niepce erfunden hatte.

Nur wenige Monate später kaufte die französische Nationalversammlung Daguerres Erfindung und machte sie im Anschluß allgemein zugänglich. Erstaunlich schnell wurden auch seine Schriften übersetzt und somit stark verbreitet. So erschien noch 1839 in Stuttgart  [im Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung]: "L. J. M. Daguerre: Das Daguerreotyp und das Diorama, oder genaue und authentische Beschreibung meines Verfahrens und meiner Apparate zu Fixirung der Bilder der Camera obscura und der von mir bei dem Diorama angewendeten Art und Weise der Malerei und der Beleuchtung."

Die 'Daguerreotypie' war das erste wirklich praktikable fotografische Verfahren überhaupt. Zum ersten Mal
war es möglich, projizierte Bilder dauerhaft zu fixieren.
Die Erfindung wurde auch in Deutschland sofort goutiert und stürmisch weiterentwickelt. Bereits im Folgejahr gelang es, durch Verwendung einer neu entwickelten, lichtempfindlicheren Linse die Belichtungszeit von 15 bis 30 Minuten auf wenige Sekunden bis eine Minute zu reduzieren. was gerade bei Außenaufnahmen ein nicht zu unterschätzenden Vorteil bedeutete.

In einer frühen Fach-Publikation heißt es dazu: das Verfahren "... ist ausserordentlich einfach. Eine sorgfältig polirte Silberplatte wird in der Dunkelheit über einen Porzellantrog gehalten, dessen Boden mit JOD bedeckt ist. Die Dämpfe, welche dieser Stoff fortwährend entwickelt, verbinden sich mit dem Silber der metallischen Platte zu JODSILBER, EINER LICHTEMPFINDLICHEN SUBSTANZ.
Bedeckt man eine so zubereitete Platte mit einem Blatte Papier, in dessen Mitte irgend eine Figur ausgeschnitten ist, und setzt sie dann dem Tageslichte aus, so wird nach einiger Zeit die nicht bedeckte Stelle der Platte dunkler werden als der übrige Theil und ein Bild der ausgeschnittenen Figur darbieten.
Setzt man die Platte kürzere Zeit dem Lichte aus, so dass man noch kein Dunklerwerden der unbedeckten Theile der Jodsilberschicht bemerkt, so kann man doch das allerdings in der Anlage schon vorhandene Bild durch gewisse Mittel sichtbar machen. Nimmt man nämlich das ausgeschnittene Papier weg und legt die Platten, mit einer rothen Glastafel bedeckt, ins Tageslicht, so wird es bald in ausgezeichneter Weise sichtbar werden: noch besser aber, wenn man die Platte über eine Schale hält, in welcher sich bis zu 60° C. erwärmtes Quecksilber befindet, so dass die Quecksilberdämpfe mit der Platte in Berührung kommen. In Zeit von wenigen Secunden wird das Bild sichtbar geworden sein." (van Monckhoven, Einleitung, S. 1f.)
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Lübeck - Pero - Daguerreotypie - Rathaus
Wilhelm Pero:
Daguerreotypie
Rathaus von Lübeck, vor 1847.
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Doch sosehr diese ganz frühen Lichtbilder auch durch ihre Brillanz und ihre Detailtreue überzeugen, die Daguerreotypie hat ihre Nachteile: es sind Unikate, sie wollen sehr sorgfältig gehandhabt werden; herstellungsbedingt sind die Darstellungen spiegelverkehrt; ihre Herstellung war sehr teuer und das Procedere war kompliziert und zudem gefährlich: nicht wenige Fotografen erlitten unter Anderem schwere Quecksilbervergiftungen.

Daher verwundert es aus der Rückschau nicht, daß die Daguerreotypie zwar für rund 15 Jahre ein ausgereiftes fotografisches Verfahren darstellte, aber keine Zukunft hatte.

Andere Erfinder waren andere Wege gegangen als Daguerre und Niepce. Der Engländer William Henry Fox Talbot veröffentlichte 1841 das photographische Verfahren der Talbotypie oder Kalotypie. Hier wurde zunächst ein Papier-Negativ entwickelt, von dem dann wiederum Salzpapier-Positive abgezogen werden konnten. Die Vorteile gegenüber der Daguerreotypie lagen auf der Hand: Kalotypien waren weniger empfindlich, nicht ganz so teuer in der Herstellung (wenn auch nicht billig) und konnten beliebig oft vervielfältigt werden. Allerdings waren diese Photographien aufgrund der Faserstruktur des Salzpapiers weniger brillant und nicht so scharf.
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Lübeck - Eichmann - Daguerreotypie recte

D(avid) Eichmann:
'Junge Frau am Tisch sitzend'. Daguerreotypie auf einer Viertelplatte (sichtbare Bildgröße 9,3 x 7,3 cm).
Unter Passepartout mit vergoldetem Schrägschnitt, alt gerahmt. Mit rückseitigem Firmenschild "Photographisches Institut von D. Eichmann & Co. Johannesstrasse No. 31 Lübeck".
2022 angeboten im Antiquariat Gerhard Gruber,
Heilbronn. (Die Wiedergabe erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Antiquariats).
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In der hier beobachteten Zeitspanne ist die klare Tendenz erkennbar: bis Mitte der 1850er Jahre dominiert die Daguerreotypie, dann gibt es immer mehr Fotografen, die mit nassem Kolodium operierten.

Van Monckhoven schrieb 1862 in seinem Buch "Die Photographie auf Collodium": ich habe "... doch oft sagen hören, dass die Daguerreotypie nicht nur eben so getreue Bilder liefert als die photographischen Methoden, sondern auch in eben so kurzer Zeit; dass sie ferner sehr leicht auszuüben ist, und dass ihre Resultate gleichmässiger und sicherer ausfallen als bei den anderen Methoden. Warum also wird sie jetzt fast nicht mehr ausgeübt? Der Grund davon ist sehr einfach. Die Silberplatte hat eine unangenehme Spiegelung, welche den Beschauer zwingt, sie immer in einer bestimmten günstigen Richtung zu halten, um das Bild gut zu sehen, und ausserdem muss sie stets durch Glas und Rahmen wohl geschützt sein, denn das Bild wird durch die geringste Reibung der Oberfläche zerstört; und endlich, und das ist der Hauptübelstand, erhält man bei einer Daguerreotypischen Aufnahme eines Gegenstandes nur EIN Bild desselben, während die anderen Methoden [...] eine unbeschränkte Anzahl liefern." (S. 6.)
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